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Business Motivation Model
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Das Business Motivation Model (BMM) ist ein internationaler Standard, der eine Struktur beschreibt, um GeschÀftsplÀne organisiert zu entwickeln, darzustellen und zu verwalten.cite-ref-1[1] Insbesondere liefert das BMM Definitionen von Begriffen, die bei der Entwicklung von GeschÀftsplÀnen benötigt werden.

BegrĂŒndet wurde es von der Business Rules Group. 2021 wird das BMM von der Object Management Group im Rahmen der BMM Revision Task Force weiterentwickelt.cite-ref-0-2-0[2]

Die Verwendung des BMM-Standards erlaubt es, GeschĂ€ftsentscheidungen nachvollziehbar vorzubereiten, zu treffen und zu dokumentieren. Dazu definiert der Standard eine Vielzahl an Elementen, die GeschĂ€ftsentscheidungen in Teilschritte bzw. Teilaspekte zerlegen. Diese Elemente erzwingen eine klare Formulierung und gute Isolierbarkeit voneinander, was ermöglicht, dass getroffene Entscheidungen anhand ihrer QualitĂ€t und EffektivitĂ€t beurteilt werden können. So ist jeder Zwischenschritt fĂŒr sich analysierbar, und es wird ermöglicht, fĂŒr zukĂŒnftige Entscheidungen aus den Entscheidungen der Vergangenheit zu lernen.cite-ref-3[3]

Das Business Motivation Model ist ein Metamodell.cite-ref-4[4] Das heißt, es gibt selbst keine graphische Notation vor, sondern wird mittels einer anderen Modellierungssprache realisiert; es kann auch als Text dargestellt werden.

Contents

‱ Struktur
‱ Beispiel
‱ Mittel
‱ Beurteilung
‱ Weblinks
‱ Weitere
‱ Siehe auch

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Entwicklung

Die Business Rules Group, eine sich mit GeschÀftsregeln befassende unabhÀngige Vereinigung, stellte das Business Motivation Model erstmals im November 2000 auf der eigenen InternetprÀsenz unter dem Titel Organizing Business Plans: The Standard Model for Business Rule Motivation vor.cite-ref-5[5] 2004 wandte sich die Business Rules Group an die Objects Management Group im Rahmen eines Request for Comments, um das Business Motivation Model zu standardisieren.cite-ref-0-2-1[2]

Im September 2005 gab die Object Management Group dem Request for Comments statt. Vertreter der Industrie sowie andere interessierte Parteien bekamen dadurch die Möglichkeit, Kritik am Entwurf der Business Rules Group zu formulieren. Die OMG Ă€ußerte fĂŒr die Aufnahme als Standard außerdem mehrere Voraussetzungen, die vorher im Entwurf eingearbeitet werden mussten. Darunter zĂ€hlte, „dass eine explizite Aussage ĂŒber die von dem Business Motivation Model genutzten Attribute benötigt werde“.cite-ref-0-2-2[2] Die Business Rules Group setzte dies im Entwurf Release 1.2 um.

Die Arbeiten an Version 1.0 des Standards endeten im September 2007 mit der Zustimmung des OMG Architecture Boards. Im Dezember stimmten die zustimmungspflichtigen Organe der Object Management Group ab, woraufhin das Business Motivation Model in der ersten Version im August 2008 unter der OMG Document Number formal/08-08-02 erschien.cite-ref-0-2-3[2]cite-ref-6[6]

Die Version 1.3 des Business Motivation Models erschienen im April 2015.cite-ref-7[7]

Struktur

Kernpunkt des Business Motivation Models bildet das Wort Motivation. Das Business Motivation Model erfĂŒllt insbesondere folgende Aufgaben: Es identifiziert die Faktoren, die die Ausarbeitung von GeschĂ€ftsplĂ€nen motivieren, es identifiziert und definiert die Elemente von GeschĂ€ftsplĂ€nen, und es zeigt auf, wie all diese Faktoren und Elemente miteinander zusammenhĂ€ngen.

Die ZusammenhĂ€nge zwischen Elementen des BMM werden mittels des UML-Standards modelliert. Vor allem die Generalisierungsbeziehung wird in großem Umfang genutzt.

Zielvorstellung (End)

Die Zielvorstellung eines Unternehmens beschreibt, was das Unternehmen durch seine wirtschaftliche TĂ€tigkeit erreichen will. Hier werden langfristige, strategische Ziele formuliert. Möglich wĂ€re beispielsweise die Erschließung neuer GeschĂ€ftsfelder, die Erringung der MarktfĂŒhrerschaft auf einem bestimmten Gebiet oder auch die Beibehaltung der relativen wirtschaftlichen Position zu Konkurrenten. Zielvorstellungen werden zunĂ€chst unabhĂ€ngig von den Mitteln, mit denen sie erreicht werden können, formuliert.

Im Business Motivation Model werden Zielvorstellungen in Visionen (Visions) und angestrebte Ergebnisse (Desired Results) unterteilt. Die Gemeinsamkeit liegt darin, dass sich beide Kategorien damit beschÀftigen, welche Sache erreicht werden soll. Der unterschiedliche Detailgrad unterscheidet Visionen von angestrebten Ereignissen.

Eine Vision (Vision) beschreibt den gewĂŒnschten allgemeinen und finalen Zustand des Unternehmens – als was sich das Unternehmen sehen möchte oder was es anstrebt zu sein. Eine Vision ist möglicherweise unerreichbar, erstreckt sich ĂŒber einen großen Bereich des Unternehmens und kann aus vielen Teilen bestehen.

Angestrebte Ergebnisse (Desired Results) hingegen sollten etwas tatsÀchlich Erreichbares darstellen und klar formuliert sein. Angestrebte Ergebnisse sind eine Kategorie von Zielvorstellungen, die einen gewissen Zustand beibehalten oder verbessern sollen. Sie sind weiter unterteilt in Ziele (Goals) und Zielsetzungen (Objectives).

Ziele und Zielsetzungen unterscheiden sich primÀr in drei Punkten: Zeitspanne, Genauigkeit und Messbarkeit. Ziele sind langfristig (teilweise ohne definiertes Ende) und allgemein bzw. abstrakt formuliert. Durch diese Abstraktheit ist es möglich, dass Ziele nicht unmittelbar messbar sind. Zielsetzungen hingegen sind kurzfristig, spezifisch-konkret formuliert und deshalb einfacher messbar. Zielsetzungen könnten z. B. den SMART-Kriterien folgen.

Zielsetzungen beurteilen den quantitativen Fortschritt eines Ziels. Deshalb sollten diese Ziele trotz ihrer Allgemeinheit nicht zu oberflĂ€chlich formuliert sein, da sonst das Erstellen von adĂ€quaten Zielsetzungen erschwert oder verhindert wird. Formulierungen von Zielsetzungen folgen einem Muster: Sie beinhalten einen Zeitbezug in Kombination mit einem quantifizierenden Substantiv. Beispielsweise könnte ein Unternehmen folgende Zielsetzung definieren: „Innerhalb von 12 Monaten soll der Marktanteil unseres Produkts auf 35 % steigen.“.

Es ist möglich, dass angestrebte Ergebnisse andere angestrebte Ergebnisse mit einem grĂ¶ĂŸeren thematischen Sichtfeld beinhalten. FĂŒr eine beispielhafte Firma, welche Pizza verkauft, könnte das allgemeine Ziel „Kunden zufriedenstellen“ die untergeordneten Ziele „Pizza gut schmecken lassen“ und „Pizza schnell servieren“ beinhalten.

Mittel (Means)

Die Mittel beschreiben das Vorgehen, das ein Unternehmen gewÀhlt hat, um seine vorher definierten Zielvorstellungen zu erreichen.

„A Means is some 'device, capability, regime, technique, restriction, agency, instrument, or method that may be called upon, activated, or enforced to achieve Ends.' It does not include either the tasks (business processes and workflow) necessary to exploit it, nor responsibility for such tasks.“cite-ref-8[8]

Mittel sind unterteilt in Mission (Mission), Handlungsweise (Course of Action) und Direktive (Directives).

Mission (Mission)

Eine Mission beschreibt das operative GeschÀft, d. h. die tagesaktuellen TÀtigkeiten eines Unternehmens.

Missionen sind das GegenstĂŒck zu Visionen. Deshalb ergeben sich fĂŒr eine Mission die gleichen Eigenschaften wie fĂŒr eine Vision. Eine Mission stellt die TĂ€tigkeit dar, die grundlegend (d. h. im Sinne des TagesgeschĂ€fts) getan werden muss, um eine Vision erfĂŒllen zu können.

Missionen werden durch Strategien geplant und ausgefĂŒhrt, weshalb die Mission ein geeignetes Maß an Interpretationsspielraum lassen sollte, um gute Bezugspunkte zu ermöglichen.

Die Formulierung einer Mission besteht aus drei Komponenten:

‱ ein PrĂ€dikat (z. B. „herstellen“)
‱ ein Produkt oder eine Dienstleistung (z. B. „Eiscreme“)
‱ eine Beziehung auf die Wirtschaft oder auf Kunden (z. B. „Laufkundschaft“)

Handlungsweise (Course of Action)

Eine Handlungsweise beschreibt, was das Unternehmen quantitativ tun wird, um seine Zielvorstellung zu erreichen. Sie steht fĂŒr eine bestimmte Art, Ressourcen eines Unternehmens (Arbeitsmittel, Betriebsmittel, GeschĂ€ftsprozesse) so zu nutzen, dass angestrebte Ergebnisse erreicht werden können. Die Entscheidung darĂŒber, wie Ressourcen eines Unternehmens bestmöglich genutzt werden sollen, bestimmt letztendlich die aufgestellten angestrebten Ergebnisse.

Damit Handlungsweisen effektiv genutzt werden können, ist es sinnvoll, dass diese durch Direktiven gesteuert werden, allerdings können sie auch ohne diese eingesetzt werden.

Handlungsweisen sind in Strategien (Strategies) und Taktiken (Tactics) unterteilt. Den genauen Unterschied zwischen diesen legt jede anwendende Organisation eigenstĂ€ndig fest. GrundsĂ€tzlich stellt eine Strategie eine Vorlage mit langer Laufzeit und großem thematischen Abdeckungsbereich dar, welche durch eine oder mehrere Taktiken implementiert und bearbeitet wird. Taktiken sind in ihren thematischen Abdeckungsbereichen so eng wie möglich zu definieren und sollten fĂŒr nur kurze Zeitspannen gelten.

Eine Strategie stellt eine Reihe von Vorgehen und VorgÀngen dar, welche genutzt werden, um ein bestimmtes angestrebtes Ereignis zu erreichen. Dazu gehört das Ausschöpfen aller Kompetenzen und Ressourcen des Unternehmens, vor allem aber auch das Zusammenspiel zwischen diesen. Strategien dienen dazu, Ziele unter Beachtung von Grenzen und Risiken umzusetzen.

Taktiken geben Strategien konkrete UmsetzungsplÀne und detaillieren diese dementsprechend. Eine Taktik kann mehrere Strategien umsetzen, falls mehrere Strategien thematisch Àhnliche Themenbereiche abdecken. Im Allgemeinen benötigt eine Strategie mehrere Taktiken. Der primÀre Zweck von Taktiken ist es, Zielsetzungen umzusetzen.

Beispielsweise könnte die Strategie „Mehr Kunden in die FußgĂ€ngerzone bringen“ durch die Taktiken „Dekoration aufbauen“ und „Musik bereitstellen“ implementiert werden. Die Taktiken leisten damit einen Beitrag, um die Zielsetzung „50 % mehr VerkĂ€ufe an Laufkundschaft bis zum Ende des dritten Quartals“ zu erfĂŒllen.

Direktiven (Directives)

Direktiven geben die Grenzen von Handlungsweisen vor: Direktiven sagen aus, was das Unternehmen unternehmen darf, und was es unterlassen wird. Sie können außerdem konkrete Aussagen darĂŒber enthalten, auf welche Weise etwas unternommen werden darf. Direktiven geben eine Unternehmensstruktur vor bzw. beeinflussen die Handlungen eines Unternehmens in einem großen Umfang. Daher lĂ€sst sich sagen, dass Direktiven ausschlaggebend dafĂŒr sind, wie ein Unternehmen gefĂŒhrt wird. Die Auswirkung von Direktiven lĂ€sst sich direkt in die Formulierung von Handlungsweisen ĂŒbertragen, womit diese Direktiven als Quelle gelten können.

Direktiven sind zu unterteilen in GeschÀftsregeln (Business Rules) und GeschÀftsrichtlinien (Business Policies). Direktiven sind als DeklarativsÀtze zu formulieren.

Eine GeschĂ€ftsregel ist in ihrer Formulierung möglichst formell (d. h. Nutzung von Fachvokabular) und kleinteilig bzw. betrifft einen wohldefinierten Bereich der GeschĂ€ftstĂ€tigkeiten. GeschĂ€ftsregeln ermöglichen direkte AusfĂŒhrbarkeit (practicable governance). „Direkte AusfĂŒhrbarkeit“ bedeutet, dass eine GeschĂ€ftsregel so prĂ€zise formuliert zu sein hat, dass fĂŒr einen gegebenen Fall eindeutig entschieden werden kann, ob einer GeschĂ€ftsregel Folge geleistet wurde. GeschĂ€ftsregeln beziehen sich sowohl auf Mitarbeiter als auch auf Software.

Eine GeschĂ€ftsrichtlinie deckt ein thematisch potenziell großes Spektrum ab und ist in der Formulierung eher informell. Eine GeschĂ€ftsrichtlinie kann Aussagen ĂŒber mehrere Bereiche treffen, welche nicht direkt miteinander in Verbindung stehen. Falls bei einer gegebenen Handlung entschieden werden soll, ob eine GeschĂ€ftsrichtlinie befolgt wurde, ist es nötig, Interpretationen anzustellen. Deshalb werden in der Regel GeschĂ€ftsregeln aus GeschĂ€ftsrichtlinien abgeleitet.

Beispielsweise könnte eine Pizzeria die GeschĂ€ftsrichtlinie „Die vom Gesetzgeber aufgestellten Gesetze zur Einhaltung der Hygiene sind zu erfĂŒllen.“ aufstellen. Daraus lassen sich u. a. folgende GeschĂ€ftsregeln ableiten: „In der KĂŒche ist die vom Arbeitgeber gestellte Arbeitsbekleidung, inklusive Haarnetze, zu tragen.“ und „Nach dem Nutzen eines Kochutensils ist dieses in den GeschirrspĂŒler zu legen.“.

Einflussfaktoren (Influencers)

Als Einflussfaktor gilt, was innerhalb der Organisation eine VerÀnderung auslösen kann.

„An Influencer can be anything that has the capability to ‘produce an effect without apparent exertion of tangible force or direct exercise of command, and often without deliberate effort or intent.’“cite-ref-9[9]

Einflussfaktoren sollten nicht nur benannt, sondern auch beschrieben werden, um sie mittels Beurteilungen (Assessments) bearbeiten zu können.

Auf die Organisation kann sowohl von innerhalb (internal) als auch von außerhalb (external) Einfluss genommen werden. Wird das Business Motivation Model auf eine Organisationseinheit angewendet, die selbst Teil einer großen Organisation ist, kann auch die Organisation als externer Faktor deklariert werden. Als Einfluss wird eine VerĂ€nderung bezeichnet, die durch einen Einflussfaktor entsteht.

Kategorien von Einflussfaktoren

Das Business Motivation Model schlĂ€gt fĂŒr externe und interne Einflussfaktoren mehrere Kategorien von Einflussfaktoren vor, die implementierende Unternehmen benutzen können.cite-ref-10[10] Von diesen kann, je nach Bedarf, allerdings auch abgewichen werden.

| Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| Konkurrent | Ein Unternehmen, das im gleichen Sektor wie das vom BMM modellierte agiert und diesem gegenĂŒber Vorteile anstrebt. |
| Kunde | Eine natĂŒrliche oder juristische Person, die sich nach Produkten des Unternehmens umschaut, Produkte bestellt, bezahlt oder erhalten hat. |
| Umwelt | Die Zusammenfassung von Faktoren der Umgebung, die das Unternehmen in seiner Existenz oder Entwicklung beeinflussen. |
| Partner | Ein Unternehmen in einer Partnerschaft mit dem eigenen Unternehmen mit einem beidseitigen Vorteil. |
| Regulierung | Eine Anweisung oder EinschrĂ€nkung von einer höheren AutoritĂ€t wie einer Regierungsbehörde oder der UnternehmensfĂŒhrung. |
| Lieferant | Ein Unternehmen, welche das eigene Unternehmen mit benötigten Produkten oder Materialien beliefert. |
| Technik | Die Rolle von Techniken, die das eigene Unternehmen einsetzt, sowie deren Entwicklungen und Grenzen. |

| Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| Annahme | Etwas, das ohne Nachweis angenommen wird. |
| Unternehmenswert | Ein Ideal, eine Sitte oder eine Institution, die das Unternehmen fördert oder mit der es einverstanden ist (positiv oder negativ). |
| Expliziter Unternehmenswert | Ein Unternehmenswert, der separat definiert wird. |
| Impliziter Unternehmenswert | Ein Unternehmenswert, der nicht separat definiert wurde, aber trotzdem von den meisten Angestellten verstanden wird. |
| Gewohnheit | Eine ĂŒbliche Handlung oder Benutzung. |
| Infrastruktur | Die Grundlage von Rahmenbedingungen oder Funktionen eines Systems. |
| Problemstellung | Eine Fragestellung oder ein Sachverhalt, der zwischen konkurrierenden Partnern fĂŒr StreitfĂ€lle sorgt. |
| GeschĂ€ftsfĂŒhrungsprivileg | Ein Recht oder Privileg, ausgefĂŒhrt von Personen mit Inhaberschaft des gesamten Unternehmens oder einer hohen Position. |
| Ressource | Zur AusfĂŒhrung der operativen TĂ€tigkeiten benötigte Mittel. Insbesondere deren QualitĂ€t ist wichtig. |

Beurteilung (Assessment)

Beurteilungen stellen das Ergebnis der Sichtung eines Einflussfaktoren dar. Es wird betrachtet, welche Mittel eingesetzt werden können und welche Zielsetzungen angestrebt werden. Die entstehende Beurteilung kann in einer VerĂ€nderung von geplanten Mitteln oder zu erreichenden Zielvorstellungen, oder beidem, resultieren. Dadurch entscheidet eine Beurteilung letztendlich darĂŒber, welche Einflussfaktoren fĂŒr welche Mittel und Zielvorstellungen relevant sind.

Beurteilungen beruhen auf objektiven Faktoren, besitzen aber dennoch eine subjektive Komponente. Das ergibt sich daraus, dass unterschiedliche EntscheidungstrĂ€ger (oder sogar dieselben zu unterschiedlichen Zeiten) abweichende Entscheidungen treffen. Das Business Motivation Model erlaubt es, diese durch EntscheidungstrĂ€ger erstellten Beurteilungen bis zur AusfĂŒhrung von beeinflussten Mitteln zu verfolgen, um zukĂŒnftig besser reagieren zu können. StandardmĂ€ĂŸig wird die SWOT-Analyse empfohlen, es sind allerdings auch andere Planungsstrategien möglich.cite-ref-1-11-0[11]

Kategorien von Beurteilungen

Das Business Motivation Modell gibt standardmĂ€ĂŸig eine Einteilung von Beurteilungen nach der SWOT-Analyse vor.cite-ref-12[12] Die Kategorien lauten demzufolge Strength, Weakness, Opportunity, Threat, bzw. StĂ€rke, SchwĂ€che, Chance und Risiko.

Mögliche Auswirkung (Potential Impact)

Beurteilungen werden gezwungenermaßen eine Auswirkung auf einen Teilbereich des Unternehmens haben. Daher sind die möglichen Auswirkungen unterteilbar in Risiko (Risk) und möglicher Nutzen (Potential Reward), siehe auch Risikomanagement.

Platzhalter (Placeholders)

Die Rollen der Organisationseinheiten (Organization Unit), Vermögenswerte (Assets), GeschĂ€ftsprozesse (Business Process) und GeschĂ€ftsregeln (Business Rule) fĂŒhren innerhalb des Business Motivation Models eine relevante Rolle aus, sind aber aus anderen Standards der Object Management Group entliehen. Dort werden diese auch nĂ€her definiert und mit anderen Konzepten in Verbindung gebracht.

Das Business Motivation Model nutzt standardmĂ€ĂŸig die Spezifikation des Business Process Model and Notation (BPMN) und Semantics of Business Vocabulary and Business Rules (SBVR), aber Unternehmen können auch alternative Standards nutzen.

Organisationseinheit (Organization Unit)

Organisationseinheiten stellen die aktiven (d. h. ausfĂŒhrenden) Elemente innerhalb eines Unternehmens dar. Um die Verfolgbarkeit innerhalb des Business Motivation Models zu gewĂ€hrleisten, ist es wesentlich zu wissen, welche Organisationseinheit bzw. konkret welche Angestellten an einem Teilschritt beteiligt sind. Dementsprechend umfassen Organisationseinheiten die Angestellten mit ihren ausgefĂŒhrten Aktionen.

Die Angabe von Organisationseinheiten hilft dabei, die konkreten Grenzen des zu modellierenden Unternehmens aufzuzeigen. Zudem ermöglichen derartige Angaben das Identifizieren von besonders relevanten Parteien, also wichtigeren Organisationseinheiten eines Unternehmens oder einzelnen Personen.

GeschÀftsprozess (Business Process)

GeschĂ€ftsprozesse befassen sich direkt mit der AusfĂŒhrung von TĂ€tigkeiten. Ein GeschĂ€ftsprozess definiert die Abfolge von Arbeitsschritten (u. a. Wiederholungen, Fallunterscheidungen, NebenlĂ€ufigkeit), Struktur (Zerlegung, Wiederverwendung), Interaktionen und Verbindungen zu Ereignissen, welche diese GeschĂ€ftsprozesse auslösen.

GeschÀftsprozesse besitzen folgende Beziehungen:

‱ Handlungsweisen realisieren
‱ von GeschĂ€ftsrichtlinien bestimmt werden
‱ von GeschĂ€ftsregeln geleitet werden
‱ Verantwortlichkeit von mehreren Organisationseinheiten sein

Vermögenswerte (Assets) und Verbindlichkeiten (Liability)

Handlungsweisen benötigen Objekte, mit denen sie interagieren können, um operative TĂ€tigkeiten auszufĂŒhren. Diese Objekte sind Vermögenswerte des Unternehmens.

Vermögenswerte lassen sich einteilen in zwei Arten:

‱ Anlagevermögen (fixed asset): GegenstĂ€nde, die auf lange Zeit behalten und gewartet werden. Diese können ersetzt werden. Sie können abstrakt wie z. B. Patente oder konkret wie z. B. GebĂ€ude sein.

‱ Ein Vermögenswert muss nicht zwingend durch einen finanziellen Wert gedeckt werden, sondern z. B. durch FĂ€higkeiten von Angestellten.

‱ Ressourcen (resources): Objekte, die konsumiert und erneuert werden, wie beispielsweise Rohstoffe, Bauteile und Geldmittel.

Im Sinne des Business Motivation Models stehen Vermögenswerte nur fĂŒr die Objekte selbst, statt der Geldwert dieser Objekte, wie es in der Buchhaltung geschieht.

Bestimmte Vermögenswerte, welche vom betrachteten Unternehmen bereitgestellt werden (d. h. produzierte Produkte und Dienstleistungen), werden Angebote (Offerings) genannt. Instanzen dieser Vermögenswerte (z. B. tatsÀchlich hergestellte Produkte) sind Ressourcen.

Verbindlichkeiten stellen vertraglich festgelegte Verpflichtungen dar. Sie beanspruchen Ressourcen, um gewisse Verpflichtungen zu erfĂŒllen, weshalb diese Ressourcen nicht anderweitig zusĂ€tzlich genutzt werden können.

Beispiel

Dieser Abschnitt behandelt das Business Motivation Model in einer beispielhaften Umsetzung fĂŒr ein Unternehmen – die fiktive Eisdiele „Eisdiele X“.

Diese Eisdiele befindet sich in der FußgĂ€ngerzone einer Einkaufsstraße einer Großstadt. Ihre Konkurrenten sind „Eisdiele A“ und „Eisdiele B“. Es gibt innerhalb dieser Einkaufsstraße eine große Anzahl an Laufkundschaft. Eisdiele X stellt vor allem Milcheis her.

Zielvorstellung

Die Vision von Eisdiele X ist: In dieser Einkaufsstraße fĂŒr die Laufkundschaft die klar bevorzugte Quelle fĂŒr Eiscreme zu sein.

Was muss erfĂŒllt sein, um diese Vision erfĂŒllen zu können? Das Ziel lautet: Der Preis der Eiscreme muss kompetitiv und die QualitĂ€t der Eiscreme gut genug sein, um mehr Kundschaft anzulocken.

Woran kann die Eisdiele erkennen, ob das Ziel erfĂŒllt worden ist? Die Zielsetzung lautet: Bis zum Ende des aktuellen GeschĂ€ftsjahres muss mindestens 70 % der Laufkundschaft, welche ĂŒberhaupt Eiscreme kauft, Kunde der eigenen Eisdiele sein.

Mittel

Die Mission beschreibt im Sinne des TagesgeschĂ€fts von Eisdiele X, wie die Vision erfĂŒllt werden kann. Sie wird geplant durch Strategien. Die Mission lautet: Innerhalb dieser Einkaufsstraße Eiscreme herstellen und ausgeben.

Strategien beschreiben, was essentiell ist, um Ziele zu erreichen. Was muss getan werden, damit das Ziel, kompetitiver zu werden, erreicht wird? Die Strategie lautet: Die Preise der Konkurrenz beobachten, um kompetitiver zu werden, sowie die Rezepturen anpassen, um mehr Profit zu erzielen.

Taktiken geben an, wie eine Strategie umgesetzt und Zielsetzungen erreicht werden kann. Hier ist es möglich, mindestens zwei Taktiken anzugeben. Taktik 1: Preise der Konkurrenz mit den eigenen Preisen vergleichen und Differenzen feststellen. Taktik 2: Untersuchen, inwiefern hochqualitative, aber dafĂŒr teure Inhaltsstoffe in der Eiscreme durch alternative preisgĂŒnstigere Inhaltsstoffe ausgetauscht werden können. Taktik 3: Eine Marktanalyse anstellen, um nicht nur die lokalen Gegebenheiten zu betrachten, sondern um ein Bild des stadtweiten Marktes zu bekommen.

Direktiven

In welcher Weise ist die Operation der Eisdiele eingeschrÀnkt? Welche Vorgaben gibt es von Behörden? Was sind firmeneigene Regeln und Richtlinien?

Folgende GeschÀftsrichtlinien definiert Eisdiele X:

‱ Mitarbeiter haben gepflegt auf ihrer Arbeitsstelle zu erscheinen.
‱ Hygiene bezĂŒglich der Eisportionierungsutensilien steht im Vordergrund.
‱ Bei der Arbeit sind keine Ablenkungen erlaubt.
‱ Gesetzliche Auflagen sind einzuhalten.

Daraus lassen sich dann beispielsweise diese GeschÀftsregeln ableiten:

‱ Milcheis muss mindestens 70 % Milchgehalt vorweisen.
‱ Bei der Arbeit an der Eistheke sind Haarnetze zu tragen, wenn die HaarlĂ€nge 10 cm ĂŒberschreitet.
‱ Es ist wĂ€hrend der Arbeit stets Arbeitskleidung zu tragen.
‱ WĂ€hrend der Arbeitszeit sind Mobiltelefone zu verschließen.
‱ Ein Eisportionierer ist abzuwaschen, nachdem ein Kunde bedient worden ist.
‱ Ein EisbehĂ€lter sollte immer zu mindestens 25 % gefĂŒllt sein.

Einflussfaktoren

Eine Einkaufsstraße ist ein komplexes Umfeld, weshalb auch Eisdiele X viele Einflussfaktoren zu berĂŒcksichtigen hat.

| Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| Konkurrent | Eisdiele A und Eisdiele B möchten womöglich dasselbe wie Eisdiele X. |
| Kunde | Die Laufkundschaft in der Einkaufsstraße möchte Eis kaufen. |
| Umwelt | Das Wetter wird den Verkauf beeinflussen. |
| Regulierung | Die Speiseeisverordnung gibt wesentliche Gesetze vor. |
| Lieferant | Der Großhandel beliefert Eisdiele X mit Milch und anderen Inhaltsstoffen. |

| Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| Annahme | Ohne VerÀnderungen ist kein finanzieller Wachstum möglich. |
| Gewohnheit | Die Leitung des GeschĂ€fts wird von einem Familienmitglied der GrĂŒnder ĂŒbernommen. |
| Problemstellung | Welcher Prozentsatz des verkauften Eises kann vor Ort hergestellt werden? |
| Infrastruktur | TiefkĂŒhlschrĂ€nke, Kassensystem |
| Expliziter Unternehmenswert | Die Eisdiele stellt qualitativ hochwertiges Eis her und verlangt niedrige bis mittlere Preise. |
| GeschĂ€ftsfĂŒhrungsprivileg | Die Familie des Ladeninhabers darf Anweisungen erteilen. |
| Ressource | Angestellte der Eisdiele |
| Ressource | Eiscreme-Rezept |

Beurteilung

Da das BMM keine Analysemethode explizit vorschreibt, nutzt das Beispiel exemplarisch die SWOT-Analyse. Beurteilungen könnten zum Beispiel folgende sein:

| SWOT | Beschreibung | Beeinflusst |
|---|---|---|
| StÀrke | Die Angestellten der Eisdiele sind kundennah und stets motiviert. | Kunden kaufen gerne in der Eisdiele. |
| SchwÀche | Eisdielen sind stark vom Wetter abhÀngig. | Bei schlechtem Wetter gibt es kaum VerkÀufe. |
| Chance | Eisdiele B hat finanzielle Not. | Eisdiele X kann Eisdiele B verdrÀngen oder aufkaufen. |
| Risiko | Eine weitere Eisdiele eröffnet unweit von Eisdiele X. | Der Profit von Eisdiele X könnte sinken. |

Mögliche Auswirkungen

Jede getroffene Beurteilung könnte Risiken und mögliche Nutzen mit sich bringen. Exemplarisch sind ein möglicher Nutzen und ein Risiko dargestellt.

| | Beurteilung | Beschreibung |
|---|---|---|
| Möglicher Nutzen | Chance: Eisdiele B hat finanzielle Not. | Eisdiele X könnte die Übernahme ausfĂŒhren und Eisdiele B unter dieselbe UnternehmensfĂŒhrung stellen oder die Filiale umfunktionieren. |
| Risiko | SchwĂ€che: Eisdielen sind stark vom Wetter abhĂ€ngig. | Eine lange Regenzeit könnte im Sommer fĂŒr einen starken RĂŒckgang an Kunden sorgen und die Existenz von Eisdiele X gefĂ€hrden. |

Weblinks

Spezifikationen

‱ OMG Business Motivation Model, Version 1.3 (englisch; PDF, 1.4 MB)
‱ OMG Semantics Of Business Vocabulary And Business Rules, Version 1.5 (englisch; PDF, 6,3 MB)

Weitere

‱ Business Rules Group
‱ BMM Revision Task Force

Siehe auch
Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Business Motivation Model. (PDF; 1,4 MB) OMG Document Number: formal/2015-05-19. Object Management Group, Mai 2015, S. 1, abgerufen am 3. Dezember 2021 (englisch).
cite-note-0-22. ↑ The Business Motivation Model. In: Business Rules Group. Abgerufen am 3. Dezember 2021.
cite-note-33. ↑ What is Business Motivation Model (BMM)? Abgerufen am 3. Dezember 2021.
cite-note-44. ↑ Business Motivation Model. Abgerufen am 5. Dezember 2021.
cite-note-55. ↑ BRG: Who Are We? Abgerufen am 5. Dezember 2021.
cite-note-66. ↑ About the Business Motivation Model Specification Version 1.0. Abgerufen am 5. Dezember 2021.
cite-note-77. ↑ About the Business Motivation Model Specification Version 1.3. Abgerufen am 5. Dezember 2021.
cite-note-88. ↑ Business Motivation Model. (PDF; 1,4 MB) OMG Document Number: formal/2015-05-19. Object Management Group, Mai 2015, S. 23, abgerufen am 3. Dezember 2021 (englisch).
cite-note-99. ↑ Business Motivation Model. (PDF; 1,4 MB) OMG Document Number: formal/2015-05-19. Object Management Group, Mai 2015, S. 38, abgerufen am 3. Dezember 2021 (englisch).
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